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Schulsport in Niedersachsen unter Druck

Schulsport in Niedersachsen unter Druck

Landtagsanfrage zeigt: Hunderte Grundschulen ohne ausreichende Sportlehrkräfte – Schwimmunterricht auf wackligem Fundament

Die Kleine Anfrage der CDU-Landtagsabgeordneten Sophie Ramdor zur Ausbildung von Sportlehrkräften und zur Sicherstellung des Schwimmunterrichts in Niedersachsen (Drs. 19/9417, beantwortet am 22.01.2026) legt gravierende strukturelle Defizite im niedersächsischen Schulsport offen. Trotz aller politischen Bekenntnisse zu Bewegung, Gesundheit und Sicherheit fehlt es vielerorts an den elementaren Voraussetzungen, um qualitativ hochwertigen Sportunterricht überhaupt durchführen zu können.

Personalmangel: Ein Drittel der Grundschulen unzureichend versorgt

Die Zahlen aus der Antwort der Landesregierung sind alarmierend:
160 öffentliche Grundschulen verfügen über keine einzige grundständig ausgebildete Sportlehrkraft, weitere 350 Grundschulen müssen mit nur einer Sportlehrkraft auskommen. Damit ist nahezu jede dritte Grundschule im Fach Sport personell nicht ausreichend abgesichert.

Was das in der Praxis bedeutet, liegt auf der Hand: Fällt die einzige Sportlehrkraft krankheitsbedingt aus oder kann aus gesundheitlichen Gründen keinen Sportunterricht erteilen, fällt der Sportunterricht faktisch aus. Die Landesregierung bestätigt diesen Umstand selbst – bietet jedoch keine strukturelle Lösung an.

Schwimmunterricht: Sicherheitsrelevant, aber nicht verlässlich abgesichert

Besonders brisant ist diese Situation im Schwimmunterricht. Schwimmen ist lebenswichtig – dennoch bleibt seine Durchführung in Niedersachsen vielerorts vom Zufall abhängig. Fachfremd erteilter Unterricht, fehlende Fachkräfte, unklare Zuständigkeiten und regionale Unterschiede prägen das Bild.

Hinzu kommt ein zentraler blinder Fleck: Das Land weiß nicht, wie viel Schwimmunterricht tatsächlich erteilt wird. Es werden keine statistischen Daten erhoben. Ob Kinder die vorgesehenen Schwimmstunden erhalten oder nicht, bleibt damit weitgehend unbekannt.

Lehramtsausbildung: Schwimmen ist kein Pflichtbestandteil

Auch die Ausbildung zukünftiger Sportlehrkräfte wirft erhebliche Fragen auf. Studierende im Lehramt Sport müssen sich zwischen Leichtathletik und Schwimmen entscheiden. Eine verbindliche, für alle verpflichtende sportpraktische Ausbildung im Schwimmen existiert nicht.

Noch gravierender: Für die Aufnahme des Sportstudiums ist kein Rettungsschwimmernachweis erforderlich. Erst im Vorbereitungsdienst greifen entsprechende Vorgaben. Damit wird ein sicherheitsrelevanter Bereich des Schulsports erst sehr spät verbindlich abgesichert – zu spät aus Sicht der Sportpraxis.

Infrastruktur: Schwimmen als Frage des Wohnortes

Selbst dort, wo qualifiziertes Personal vorhanden ist, scheitert Schwimmunterricht häufig an der Infrastruktur. Geschlossene Schwimmbäder, lange Wege und uneinheitliche Kostenübernahmen durch Schulträger führen dazu, dass der Zugang zum Schwimmunterricht vom Wohnort der Kinder abhängt. Bildungsgerechtigkeit sieht anders aus.

Fazit: Politische Bekenntnisse reichen nicht aus

Die Landtagsanfrage macht deutlich: Der Schulsport in Niedersachsen leidet nicht an fehlenden Konzepten, sondern an fehlender Verbindlichkeit. Ohne ausreichend ausgebildete Sportlehrkräfte, ohne verpflichtende Schwimmausbildung im Studium und ohne verlässliche Daten zur Unterrichtsrealität bleiben politische Programme wirkungslos.

Aus Sicht des Deutschen Sportlehrerverbandes Niedersachsen braucht es jetzt:

  • eine verbindliche personelle Mindestausstattung aller Schulen mit Sportlehrkräften,
  • eine verpflichtende Absicherung des Schwimmens und der Rettungsfähigkeit in der Lehramtsausbildung,
  • sowie Transparenz darüber, ob Schwimmunterricht tatsächlich stattfindet.

Schwimmen lernen darf kein Glücksfall sein.
Sportunterricht darf kein Lückenfach bleiben.
Die Zahlen liegen auf dem Tisch – jetzt ist politisches Handeln gefragt.